Pressespiegel

Literatur zum Löffeln

Eine Lesung wie ein französisches Menü: Martin Walker serviert Krimi, Kulturgeschichte und Kulinarik

Bad Homburg – Kunstvoll arrangiert bietet sich die Foie gras auf dem Teller dar. Allein die genießerischen Adjektive, mit denen Martin Walker die raffiniert-deliziöse Spezialität zu beschreiben weiß, lassen einen ins Schwärmen, ins Schwelgen geraten. Kaum zu glauben, dass diese ausgiebige Schilderung eines mehrgängigen Menüs gegen Ende einer Kriminalgeschichte auftaucht, der jüngsten des Autors, die sich um den „Dorfpolizisten“ Benoît Courrèges dreht, bekannt unter seinem Zweitnamen Bruno.

Walkers Erzählen insgesamt asketisch zu nennen, verfehlte dessen Charakter gründlich. Vielmehr, das ließ sich während der Lesung im bibliophilen Ambiente von Supp’s Buchhandlung von Beginn an spüren, lebt der schottische Historiker und Journalist seine Lust am Fabulieren auf ebenso fesselnde wie charmante Weise aus. Er tut es maßvoll, taktvoll, nie voyeuristisch. So in der ouvertürenartigen Szene, in der Bruno, begleitet von „Balzac“, seinem treuen Basset, den entseelten Körper einer Frau hinter dem Steuer ihres Wagens findet. Wer hat die erfolgreiche, geschätzte Monique vom Leben zum Tode befördert? Hörer oder Leser begeben sich gerne an Brunos Seite, begleiten ihn, lassen sich führen.

Dergestalt entwickelt sich die Spurensuche zu einer gemeinsamen. Gegenstand für Gegenstand, Person für Person fügt sich allmählich zu einem aussagefähigen Bild. Dabei verknüpft der Erzähler Kulturlandschaften Frankreichs miteinander: das Périgord, wo Bruno lebt und arbeitet, und das Elsass. Integriert finden sich außerdem die französische Geschichte; heißt doch der fiktive Ort des Geschehens nicht grundlos Saint-Denis. Was bei jedem Franzosen sogleich den Gedanken an jene Stätte nördlich von Paris weckt, an der Frankreichs Könige zu ihren Vätern versammelt sind. Bei aller Gelehrsamkeit – am Ende ruft der Erzähler den griechisch-römischen Philosophen und Dichter Plutarch auf die Bühne – verfällt er gleichwohl nicht in Bildungs- und Faktenhuberei.

Einzelne Szenen lasen sowohl der Autor in englischer Sprache als auch dessen „deutsche Stimme“ Angelika Linnemann-Dienstbier. Sie glichen den Gängen eines Dîners. Jede stand für sich, blieb jedoch stets bezogen auf das Ganze der erzählten Geschichte. Sie entfaltet Walker auf knapp 390 Seiten en détail. Er hat etwas zu erzählen, er weiß zu erzählen. Gleichwohl müssen sich die Zuhörer des Abends den 18. Fall für den Kriminalisten erst im Wortsinn erlesen. Walker – so viel sei vorweg gesagt – verschränkt den Kriminalfall mit einem Porträt der Gemeinde, mit Kultur und Geschichte des Périgords, mit einer Schilderung der Gesellschaft, nicht zuletzt einer Liebesgeschichte mit dem Helden im Mittelpunkt.

Nicht eben vorteilhaft für den Protagonisten: Innerhalb der Polizei treibt ein schwarzes Schaf sein Unwesen, ein Krimi im Krimi gleichsam. Dabei geht es auch um die Macht zirkulierender Gerüchte – frei nach Rossinis „Verleumdungsarie“ aus dem „Barbier von Sevilla“. Was als „Lüftchen“ beginnt, endet mit einem Donnerschlag. Sie bringen Bruno heftig in die „Bredouille“, wie der deutsche Titel von „An Enemy in the Village“ lautet. Das Gerücht als selbstständig Handelnder.

Für die „Premierenlesung“ hatten sich Buchhändlerin Martina Bollinger-Zimmermann und die Bad Homburger Soroptimistinnen zusammengetan. Die „Sorores optimae“, zu Deutsch die „besten Schwestern“, bereiteten Gerichte aus Walkers Kochbuch zu, das Speisen aus den Bruno-Geschichten enthält.

Vorzüglich mundeten die Spargelcremesuppe, der Vorspeisenteller mit Lachs und Grüner Soße sowie frischem, duftendem Brot, der Hauptgang aus Rindfleisch mit Silberzwiebeln, Karotten und einer gehaltvollen Sauce. An Kalorien hatten die Köchinnen auch beim dunklen, schokoladigen Nachtisch mit flüssiger Sahne nicht gespart. Dergestalt ließen sich die einschlägigen Szenen aus dem Buch ganz praktisch und nicht nur aus trockener geistiger Entfernung nachempfinden. Walkers gesammelte Rezepte ließen sich „gut umsetzen“, hieß es aus berufenem Munde. Angewachsen sei die Sammlung inzwischen auf drei Bände, sagte Walker.

Mit den Einnahmen aus der Lesung wollen die Soroptimistinnen ein eigenes Hilfs- und Schutzprojekt für Frauen mitfinanzieren. Der Ableger der 1921 gegründeten, international aktiven Organisation besteht derzeit aus 32 Mitgliedern, weltweit sind es mehr als 65.000, sagte Präsidentin Monika Kasten.ULRICH BOLLER

(Freitag, 08. Mai 2026, Taunus Zeitung / Bad Homburg · Hochtaunus)

3650 Euro für den Notfalltopf

Einpackaktion unterstützt Frauenhaus

Bad Homburg / Oberursel – Im Advent haben die Frauen des „Soroptimist Clubs Taunus“ in der Buchhandlung Supp‘s Bücher eingepackt wie die Weltmeisterinnen. Für jedes Präsent wurde eine Spende für „Frauen helfen Frauen“ erbeten. Jetzt kam heraus, wie viel Geld für den Notfalltopf des Frauenhauses in Oberursel zusammengekommen ist: 3.650 Euro.

Anja Körnecke von „Frauen helfen Frauen“ – Trägerverein des Frauenhauses – hat kürzlich beim Soroptimist-Clubabend einen Vortrag über die Arbeit des Vereins gehalten. Was Soroptimist-Präsidentin Monika Kasten als gute Gelegenheit befand, um die Spende symbolisch zu übergeben.

Spenden seien wichtig für „Frauen helfen Frauen“, denn sie schließen einen Teil der Finanzierungslücke, erläutert Martina Bollinger, Chefin der Buchhandlung. Mit dem Geld aus dem Notfalltopf werden etwa Frauen und ihre Kinder mit einer Erstausstattung unterstützt oder eine Überbrückung zur Sicherung des Lebensunterhalts geschaffen, solange noch keine Finanzierungsgrundlage vorliegt.

Zahlen auch im Hochtaunus gestiegen

Außerdem betreibt „Frauen helfen Frauen“ die Beratungs- und Interventionsstelle (Oberursel, Oberhöchstadter Straße 3) und ein Nachbetreuungsprojekt für Frauen, die das Frauenhaus bereits verlassen oder sich getrennt haben.

Wie wichtig diese Angebote sind, so Bollinger, zeigten die jährlich steigenden Zahlen der Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamts. „Gewalt hat viele Gesichter: körperlich, psychisch, sexualisiert, ökonomisch, sozial und Stalking. Und diese Gewalt findet auch im Hochtaunuskreis statt.“

2024 wurden in der Beratungs- und Interventionsstelle des Vereins 262 Frauen mit ihren 348 Kindern begleitet. Die Beratungsstelle leiste einen wichtigen Beitrag außerhalb des stationären Schutzsystems.

In allen drei Projekten erhalten die Frauen und ihre Kinder vor allem eins: einen Schutzraum. Einen Raum, um über die erlebte Gewalt zu sprechen und gehört zu werden, diese verarbeiten zu können und Schritt für Schritt den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu finden.

Das Frauenhaus hat 21 Plätze und 11 Zimmer. Die Frauen finden so lange dort Schutz, bis sie eine geeignete Wohnung gefunden haben. „Das ist vor allem im Hochtaunuskreis zunehmend schwierig geworden, da der Wohnungsmarkt bereits seit Jahren sehr angespannt ist.“

Einige der Frauen sind traumatisiert von der Gewalt. Nicht nur die Mütter, sondern auch die Kinder und Jugendlichen werden begleitet. „Denn Partnerschaftsgewalt ist auch eine Kindeswohlgefährdung. Viele der Kinder und Jugendlichen sind durch die Gewalt gegen ihre Mutter indirekt mitbetroffen und traumatisiert“, berichten die Frauen. „Auch sie brauchen Zeit, um in einem geschützten Rahmen wieder Vertrauen fassen zu können.“

Neben seiner Beratungs- und Unterstützungstätigkeit leistet der Verein in Kooperation mit anderen Akteuren des Frauenschutzsystems wichtige Präventionsarbeit. Das heißt: sensibilisieren, beginnende Gewaltdynamiken erkennen lernen. Diese Workshops finden an Schulen statt. RED

(Dienstag, 05. Mai 2026, Taunus Zeitung / Bad Homburg · Hochtaunus)


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